Empfindung & Wahrnehmung im Klartraum

Datum 2. Aug. 2011
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„Das geht doch nicht, das kann nicht ‘wie echt’ sein!“

So dachte ich früher übers Klarträumen. Ich wurde Gott sei Dank eines Besseren belehrt. Dadurch, dass ich selbst einmal am Realitätsgrad der Klarträume gezweifelt habe, kann ich jeden Klartraumneuling gut verstehen. Wenn man seine Träume ein ganzes Leben nur trübe und verschwommen in Erinnerung hat, fällt einem der Glaube an das Gegenteil etwas schwer. Diese gewohnten Erinnerungen völlig umzuwerfen und eine zweite Realität als möglich anzuerkennen, klingt sogar jetzt für mich etwas “verrückt”.

Wie fühlt sich nun ein Klartraum an? Ist er wirklich absolut Realitätsgetreu?

Die Antwort ist Jain. Keine Angst, ich verrate gleich warum. Man kann diese Frage mit “Ja” beantworten, wenn es um das Empfinden selbst geht. Wind fühlt sich wie Wind an, der Boden ist hart, ein Baum sieht aus wie ein Baum. Das “Nein” auf die Frage rührt von gewissen unkontrollierbaren Einflüssen her. Ein Eis kann kalt und heiß gleichzeitig sein, dies ist natürlich nur im Klartraum möglich. Ein solches Eis ist dann natürlich alles Andere als Realitätsgetreu. Gewisse Variablen lassen sich nicht kontrollieren, da kann eine lila Kuh schon mal das realistische Abbild der vertrauten Innenstadt zerstören. Die Kuh wird sich aber mesit real verhalten und so riechen…

Ein gewisses Überraschungselement lässt sich also nicht ausschließen.

Es gibt eine einfache und logische Erklärung, warum man Klarträume gar nicht anders als “real” empfinden KANN:

Alles was wir sehen ist nichts anderes als Licht. Alles was wir hören sind Schallwellen. Diese treffen auf unsere Augen und  Ohren und werden IM GEHIRN erst für uns wahrnehmbar gemacht. Unser Gehirn lässt uns sehen und hören. Im Klartraum fehlen diese Reize von außen. Hier springt unser Gehirn ein und simuliert sie genau so, wie wir sie gewohnt sind. Der Input fehlt und deshalb wird der Output einfach produziert. Das Ergebnis ist von der Wahrnehmung  her identisch.

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Hypervision

In Klarträumen wird oft von einer Art Hypervision berichtet. Es fühlt sich alles realer als real an. Es klingt paradox, trifft aber auf viele Klarträume zu. Emotionen sind stärker, viele Dinge sind um das tausendfache überwältigender. Farben sind satter, alles ist intensiver als im Wachleben. Hierzu ein Beispiel aus einem meiner Kalrträume:

„Ich stehe auf einem Balkon und sehe auf dem breiten Geländer eine leere Pizzaschachtel liegen. Ich frage mich, wie real die Schachtel wohl vom Balkon herunter segeln würde. Ich nehme die Schachtel und werfe sie wie ein Fresbee über das Geländer. Für einen kurzen Augenblick höre und sehe ich kleine Krümel in der Pizzaschachtel, die durch die Fliehkräfte in der Schachtel hin und her geschleudert werden.“

Diese Beispiel mag vielleicht banal klingen aber so ist das mit Klarträumen. Sie klingen für den Nicht-Klarträumer vielleicht maximal „interessant“ und sind eine „Träumerei“ - erst wenn man es erlebt hat, versteht man wie wunderbar ein Klartraum doch sein kann. Realer als real.


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