Review: Hellwach im Traum von Stephen LaBerge

Datum13. Jul. 2012
Views: 5587 | Kommentare: 2


stephenlaberge_hellwach_im_traum.jpg

Buch Review „Hellwach im Traum“

1987 erschien Stephen LaBerges Buch über Klarträume „Hellwach im Traum“. Heute vergriffen wird es zu völlig überzogenen Preisen bei eBay und Amazon verkauft. Oftmals werden an die 100 € verlangt.

„Hellwach im Traum“ ist 287 Seiten dick und enthält ohne Nachwort die folgenden 10 Kapitel:

1. Erwache in deinen Träumen
2. Ursprung und Geschichte des luziden Träumens
3. Die neue Welt des luziden Träumens
4. Die Traumwelt erforschen: Luzide Träume im Labor
5. Die Erfahrung des luziden Träumens
6. Lerne, luzide zu träumen
7. Der praktische Träumer: Anwendungen des luziden Träumens
8. Träumen: Funktion und Bedeutung
9. Traum, Illusion und Wirklichkeit
10. Traum, Tod und Trnszendenz

Auch wenn das Buch mit seinen 25 Jahren schon gut in die Jahre gekommen ist, lohnt sich der Kauf aufjedenfall. Vorrausgesetzt, man bezahlt keine 100€ dafür. Hier und da sind mittlerweile ein paar Theorien als falsch erweisen, ansonsten ist der Informationsgehalt sehr hoch.

Lustig sind die “eingedeutschten” Abkürzungen, so wird MILD hier noch als MILT übersetzt (ASE= Aussersinnliche Erfahrung, EdK = Erfahrung der Körperlosigkeit etc.)

Zwei auch von mir oft genannte Punkte im 5.Kapitel sind die Bereiche “Motivation” und “Erwartungen”. Stephen LaBerge weißt darauf hin, dass Träume u. a. Wunscherfüllungen sind, natürlich aber nicht so strikt wie Siegmund Freud dies behauptet hat. Desweiteren wird auch auf den Sinn des Träumens eingegangen, wobei damals so wie heute nur Theorien genannt werden können. Warum träumen wir?
Auch auf die kreative Propremlösung durch den Traum wird in “Hellwach im Traum” behandelt, sowie gegen Ende des Buches die tibetischen Traum-Yogis erwähnt kompakt erwähnt werden.

Die WILD-Technik findet in LaBerges Buch keine Erwähnung. Gegen Ende werden kurz auch Shared Dreams, Nahtoderfahrungen und Übersinnliches genannt. LaBerge beschreibt diese Erfahrungen mehr als Klarträume, wobei er alles Erlebte als subjektiv bezeichnet, was die Bedeutung ausser Kraft setzt, ob es “nur” geträumt oder eine “wirkliche” Erfahrung ist. AKEs beschreibt er mehr als “Traumtelepathie” und er erwähnt, ein AKE-Experiment in welchem nur ein einziger Proband es schaffte, einen entfernten Raum durch eine AKE annähernd zu beschreiben.

Sterbeerlebnisse (SE abgekürzt) finden auch Erwähnung und LaBerge weißt deutlich darauf hin, das es keine Rolle spielt, ob diese Erlebnisse “real” sind, da einfach die Wirkung auf die Menschen, die diese erlebt haben, bleibende Eindrücke und eine veränderte, positive Sichtweise im Bezug auf den Tod hinterlässt.

Alles in Allem ist “Hellwach im Traum” auch heute noch lesenswert, keinesfalls aber bei einem Preis höher als 15€. Hier und da sind ein paar Aussagen heutzutage wiederlegt worden, was man aber LaBerge natürlich nicht ankreiden kann. Die völlig überzogenen Preise sind in keinster Weise gerechtfertigt. Ich empfehle bei den überhöhten Preisen eher LaBerges “Exploring the World of Lucid Dreaming” welches nur auf Englisch erhältlich ist. Wie bereits hier erwähnt, ist “Exploring the World of Lucid Dreaming” NICHT das Englische Pendant zu “Hellwach im Traum”, hier handelt es sich um unterschiedliche Bücher.

Die Geschichte des Klarträumens

Datum22. Mär. 2012
Views: 7757 | Kommentare: 2


geschichte_des_klartraumens.png

Die komplette Geschichte des Klarträumens kann wohl niemand niederschreiben. Wer war der erste Klarträumer? Wann genau träumte der erste Mensch klar? Diese doch sehr interessanten Fragen sind sehr schwierig bzw. nicht zu beantworten. Dennoch will ich versuchen einen kleinen, vielleicht auch mit Lücken behafteten Überblick über die Geschichte des luziden Träumes zu geben.

 

340 v.Chr. schreibt Aristoteles über Etwas im menschlichen Bewusstsein, dass einem manchmal im Traum sagt, des Erlebte sei nur ein Traum. Er beschreibt des Erkennen des Traumzustandes, den heute jeder luzide Träumer (meist) durch einen Reality Check hervorruft.

 

Im 800 n.Chr. praktizieren Buddhisten in Tibet das Traum-Yoga. Bewusstes Träumen das u.a durch Mediation erreicht wird. Beitrag: Die Lehre der tibetischen Traum-Yogis.

 

Marie Jean Léon le Coq, Baron D’Hervey, Marquis de Saint-Denys, begann im Alter von 13 Jahren seine Träume aufzuschreiben.
Im Jahre 1867, mit 45 Jahren, veröffentlichte er anonym seine Buch „Les Rêves et les moyens de les diriger“ in denen er verschiedene Methoden zur Traumkontrolle, Methoden zum luziden Träumen, beschreibt.

 

1898 beginnt Frederick van Eeden seine seit dem Jahr 1896 aufgeschrieben Träume in zwei „Arten“ aufzuteilen: „Normale“ Träume und jene die im am wichtiger erschienen. Diese wichtigen Träume nennt er später „lucid dreams“
Frederick van Eeden ist der Erfinders des Begriffes „lucid dreams“, er notierte 500 Träume von welchen 352 luzide Träume waren.

 

1899 erschien in Sigmund Freuds Hauptwerk „Die Traumdeutung“ folgendes Text:

Dagegen gibt es Personen, bei denen die nächtliche Festhaltung des Wissens, dass sie schlafen und träumen, ganz offenkundig wird und denen also eine bewusste Fähigkeit, das Traumleben zu lenken, eigen scheint. Ein solcher Träumer ist z.B. mit der Wendung, die ein Traum nimmt, unzufrieden, er bricht ihn, ohne aufzuwachen, ab und beginnt ihn von neuem, um ihn anders fortzusetzen, ganz wie ein populärer Schriftsteller auf Verlangen seinem Schauspiel einen glücklicheren Ausgang gibt. (…) Der Marquis d’Hervey behauptete, eine solche Macht über seine Träume gewonnen zu haben, dass er ihren Ablauf nach Belieben beschleunigen und ihnen eine ihm beliebige Richtung geben konnte

Freud hatte unter anderem Briefkontakt mit  Frederick van Eeden.

 

1932 erlernte Pat Noone die Sprache der Temiar, welche mit den Semai unter dem Begriff Senoi (Beitrag: Einblick in die Traumkontrolle der Senoi) zusammengefasst werden. Der nachfolgende Auszug stammt aus einem Brief den Noone im selben Jahr verfasste:

Personally  I  believe that the Temiar have hit upon some psychological trick in their educative  process which  enables  the majority  to  reach  this  high  degree  of emotional adjustment as adults. I am not sure of my ground as yet, but I feel it has something to do with their dreams

 

1936 Traf Kilton Stewart auf Pat Noon, welche zusammen eine Forschungsreise zu den Senoi durchführten. Hier berichtet Kilton Stewart das erste mal über die Senoi und ihre Traumkontrolle.

Im selben Jahr erschien von A.E. Brown ein Artikel mit dem Titel “Dreams in Which the Dreamer Knows he is Asleep” im Journal of Abnormal Psychology. Damit wiedersprach er der Aussage seiner Kollegen, luzides Träumen sei nicht anderes als Tagträume. Er war der Erfinders des Sprung-RCs: Springe in die Luft und prüfe, ob du realistisch zu Boden fällst.

 

1948 veröffentlichte der Psychiater Nathan Rapport einen Artikel mit dem Namen „Pleasent Dreams“, welcher vom Klarträumen handelt.

 

1968 veröffentlichte Celia Green ihr Buch „Lucid Dreams“. Das Phänomen des Klarträumens wurde nun immer bekannter. In der allgemeinen Wissenschaft wurden Klarträume mittlerweile und fälschlicherweise als kurze Wachphasen während des Schlafes angesehen.

 

1972 beschrieb Carlos Castenada in seinem Buch „Reise nach Ixtlan“ das luzide Träumen.

 

1974 veröffentlicht Patricia Garfield ihr Buch „Kreativ Träumen

 

1975 zeichnte Keith Hearne die ersten Augenbewegungen eines Klarträumers aus dem Klartraum auf.

 

1980 erhielt Stephen LaBerge seinen Doktortitel von der Stanfor University mit seiner Arbeit: „Lucid dreaming: an exploratory study of consciousness during sleep”
LaBerge trug Klarträumern auf, eindeutige Augenbewegungen im Klartraum durchzuführen. Diese wurden auf dem EOG (Elektrookulograf) sichtbar, gleichzeitig konnte festgestellt werden, dass der Proband schläft: Der Beweis für luzides Träumen, eine im Traum bewusst ausgeführte Handlung.

Auch wenn Klarträumen in der heutigen Zeit bekannter und akzeptierter ist, gibt es leider immer noch Kritiker und Ungläubige, die dieses nächtliche Phänomen als unwahr abtun. Ob Klarträumen jemals in der Gesellschaft voll akzeptiert und angenommen wird, wird wohl nur die Zeit zeigen…

Quellen:
http://animus.fateback.com/animus/klartraum/1.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Klartraum
http://www.lucidity.com/vanEeden.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Frederik_van_Eeden
http://de.wikipedia.org/wiki/Elektrookulografie