Interview mit Prof. Dr. Michael Schredl - Schlaflaborleiter und Autor

Datum 1. Jul. 2015
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Vielen Dank Herr Prof. Dr. Schredl, dass Sie sich Zeit für meine Fragen nehmen. Würden Sie sich einmal kurz vorstellen?

 

Gerne. Ich bin wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Seit 1990 beschäftige ich mich mit Traumforschung. Auch schreibe ich selbst meine eigenen Träume seit 1984 auf.

 

 

 

Mit Freude habe ich Ihr Buch „Träume“ gelesen, planen Sie aktuell ein neues Buch zu schreiben?

 

Nein, momentan konzentriere ich mich auf die Veröffentlichung von Fachartikeln.

 

 

 

Als Klarträumer hören Sie diese Frage sicher sehr oft: Wann hatten Sie Ihren ersten Klartraum und was haben Sie darin unternommen?

 

Auch wenn ich früher präluzide Träume hatte, trat mein erster Klartraum 1996 auf, nachdem ich ein Seminar von Paul Tholey und Brigitte Holzinger besucht habe und mit den Realitätschecks als Induktionsmethode begonnen habe. Ich habe nicht so regelmäßig geübt und es hat drei Monate gedauert. Im ersten Klartraum, ich saß in einem Auto, habe ich mich so gefreut, dass ich sofort aufgewacht bin.

 

 

 

Nach meinem subjektiven Empfinden hat die Berichterstattung über Klarträume im Fernsehen in den letzten Jahren stark zugenommen, was halten Sie von dieser Entwicklung?

 

Nicht nur in den Medien haben die Klarträume mehr Beachtung gefunden, sondern auch in der Forschung, daran sind maßgeblich Daniel Erlacher und Martin Dresler beteiligt, auch die Studien von Ursula Voss, auch wenn die Studie zur Induktion mit tACS mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet. Auch Filme wie ‘Inception’ haben das Interesse geweckt. Ich als Traumforscher finde es sehr schön, dass sich viele Menschen für das Thema interessieren.

 

 

 

Wie wurden Sie auf das Feld der Traumforschung aufmerksam?

 

Meine eigenen Träume haben mich auf den Weg gebracht. Ich fand sie von Anfang sehr kreativ und spannend und da ich Psychologie studiert habe, wollte ich dieses Phänomen näher erforschen. Dazu hatte ich noch das Glück, einen Job im Schlaflabor zu bekommen.

 

 

Auch die Klartraumforschung ist gerade in Deutschland aktiver den je, können Sie uns von Ihren aktuellen Studien berichten?

 

Genau genommen, laufen die Studien unter der Federführung von Daniel Erlacher, jetzt Universität Bern, ich bin Mitbetreuer, z. B. der aktuellen Studie von Melanie Schädlich, die den Effekt von Training im Klartraum auf die Leistungsverbesserung im Darts-Werfen überprüft. Der Doktorand, Tadas Stumbrys, hat mit dem Paradigma das Fingertappings (Eine Abfolge von Tasten schnell mit den Fingern drücken) einen positiven Trainingseffekt des Klarträumens nachweisen können. Auch die hier durchgeführte Studie mit Stimulation des präfrontalen Kortex mit Gleichstrom (tDCS) führte in einer Gruppe von Träumern mit Vorerfahrung zu einer leichten Erhöhung der Bewusstheit im Traum.

 

 

 

Was erhoffen Sie sich für die Klartraumforschung in den nächsten 10 Jahren?

 

Für mich ist der Zusammenhang zwischen Gehirnaktivität und Trauminhalt am spannensten, wie beispielsweise in der Studie von Martin Dresler zur Aktivität des Motorischen Kortex während geträumter Handbewegungen. Wir haben auch schon versucht, Personen im Scanner schlafen zu lassen, was schwer, aber möglich ist. Da hoffe ich, dass es weitergeht.

 

 

 

Würde Geld keine Rolle spielen, wie würde Ihr nächstes Forschungsprojekt aussehen?

 

Es gibt Dinge, da man mit Geld nicht erreichen kann (siehe oben), es hängt von der Weiterentwicklung der bildgebenenden Verfahren ab, um die Gehirnaktivität der schlafenden und träumenden Person gut zu erfassen. Was mich auch noch interessiert, ist die Auswirkung des luziden Träumens auf den Alltag der Person. Es gibt zwar schon eine erste Studie von Janina Girzig (auch als Buch erschienen) dazu, doch da braucht es mehr Daten, Tagebuchdaten über einen längeren Zeitraum wären schön, doch das ist sehr aufwändig. Meiner Meinung nach gibt es immer noch zu viele Vorurteile gegenüber dem Klarträumen.

 

 

Kommen wir von kontrollierten Träumen und ihrer Erforschung zu den Träumen ohne Kontrolle.

 

 

 

Es gibt ein paar gängige Theorien über das „Warum“ des Träumens.

Was denken Sie, warum träumen wir?

 

Es gibt viele Theorien, momentan gefällt mir die neue Social Simulation Theory von Katja Valli am besten. Im Traum werden vor allem soziale Interaktionen durchgespielt, weil diese für den Urmenschen wichtig waren (aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden trug nicht zur Fortpflanzung bei).

 

 

 

Viele Klarträumer haben Probleme mit der Traumerinnerung, warum glauben Sie haben unsere Trübträume eine solch flüchtige Natur und sind am Morgen schnell vergessen?

 

Zunächst ist es wichtig, festzuhalten, dass es auch Sinn macht, die Träume nicht so gut erinnern zu können. Wäre die Erinnerung an Träume genauso gut wie an Wacherlebnisse, würde es ein heilloses Durcheinander im Gedächtnis geben. Habe ich das geträumt, habe ich es wirklich erlebt? Die physiologische Erklärung ist, dass das Gehirn sich während des Schlafes in einem anderen Zustand (unterschiedliches Aktivierungsmuster) als im Wachzustand befindet, beim “Umschalten” kommt es zu dem Problemen bei der Erinnerung.

 

 

 

Gibt es einen Trübtraum, der Sie beeindruckt hat, den Sie nie vergessen werden?

 

Es gibt einige intensive Träume, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Z. B. habe ich einen Mann schwer verletzt, der meinen Bruder mit einer Waffe bedroht hat. Ich habe mit einem kurzen Heizungsrohr seine Schädeldecke zertrümmert, es war mir dann arg, er lebte noch und ich wollte einen Krankenwagen rufen. Und ein schöner Flugtraum, wo ich wie ein Ei über einem tosenden Meer gesegelt bin.

 

 

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für meine Fragen genommen haben.

 

 

Psychologie Heute Compact 37 - Träume

Datum26. Jun. 2014
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Danke an Don Rinatos aus dem klartraumforum.de und an Lucid Pygar, in dessen sehr empfehlenswerten Blog ich den Hinweis zur ‘Psychologie Heute’ entdeckt habe.

In der Ausgabe 37 geht es um Träume, unter anderem mit Michael Schredl.

Ich hab mir die Ausgabe bestellt und werde bald darin schmökern :)

Inhalt:

Der Alltag liefert den Stoff für das Kino der Nacht von Michael Schredl
Wie Gefühle zu Träumen werden von Thomas Saum-Aldehoff
Ich hab von dir geträumt! von Susie Reinhardt
Signale aus dem Unbewussten Ein Gespräch mit Brigitte Holzinger

Weitere Themen:
REM-Schlaf: Träumen wir nur in den „Traumphasen“?
Traumdeutung nach Freud: Bestätigung aus der Hirnforschung
Vergessene Welten: Warum wir uns nur selten an Träume erinnern
Trauminhalte: Ein Quell der Selbsterkenntnis
Kreativität: Schlafend Probleme lösen
Klarträume: Mit vollem Bewusstsein dabei
Nächtlicher Horror: Vom richtigen Umgang mit Albträumen
Tagträume: Der Königsweg zum Selbst

Quelle

Vom Albtraum zum Klartraum - Albträume bekämpfen und loswerden

Datum28. Feb. 2012
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Wer öfters Albträume hat, sollte sich das Thema Klarträumen näher ansehen. Albträume sind ein guter Weg, den Traumzustand zu erkennen und daraus einen Klartraum zu machen. Befolgt man die Tipps für das kritische Bewusstsein, fällt einem im Traum irgendwann auf: „Hey, das kann doch gar nicht sein! Monster gibt es nicht / Warum stehe ich an einer Klippe in der Wüste, bei uns gibt es keine Wüste!“ oder andere, doch meist abstruse Albtraumsituationen. Man erkennt, dass dies entweder nicht möglich ist oder sehr unwahrscheinlich und zweifelt an der Situation. Führt man jetzt einen Reality Check aus, wird man meist klar und kann den Traum kontrollieren.

Aber auch Albträume welche man nicht als solche erkennt, kann man abändern. Ist es ein wiederkehrender Albtraum, sollte man sich am Abend suggerieren, man erkenne den Albtraum und habe keine Angst.
„Wenn ich im Traum verfolgt werde, drehe ich mich um und stelle mich meiner Angst!“ Wichtig ist, dass man auch zu den Albtraumfiguren freundlich ist. „Wie heißt du? Wie kann ich dir helfen?“

In einem Albtraumbericht drehte sich der Träumer um und fragte den Verfolger: „Was willst du von mir?“
Sein Verfolger antwortet: „Was was ich, das ist doch dein Albtraum!”

Eine weitere Methode ist es, den Albtraum mit einem besseren Ende / Inhalt umzuschreiben. Man webt in den Albtraum ein, dass man sich zB umdreht und keine Angst mehr hat. Diese Geschichte sollte man dann jeden Tag vor dem Schlafen viseuell durchleben, sich also den ganzen Albtraum mit dem geänderten Teilen bildlich vorstellen. So festigt sich diese abgeänderte Version nach einiger Zeit und der Albtraum wird durch diese ersetzt. Michael Schredl hat mit dieser Methode erfolgreich Albträumer therapiert (Kognitive Verhaltenstherapie). Hier ein Link zu einem Video mit Michael Schredl und einem Albtraumbericht, bei welcher die Therapie erfolgreich anschlug.

Flucht ist keine Lösung, man sollte seine Angreifer konfrontieren und am besten befragen, was er denn von einem möchte. Ist man freundlich, sind die Verfolger / Angreifer auch freundlich.Natürlich kann man dies nur, wenn man die Kontrolle über den Albtraum hat also aus dem Albtraum bereits einen Klartraum gemacht hat.
Dennoch, suggeriert man sich dieses Vorhaben intensiv ein, kann man so etwas auch bei nicht 100%er Klarheit ausführen. Es geschieht dann irgendwie von selbst… Also die 100%ige Kontrolle ist kein Muss. Wer noch keinen Klartraum hatte, braucht nicht zu glauben er oder sie könne keine Albträume abwenden - dies klappt auch ohne Klartraumerfahrung.

Am 28.02 hatte ich einen Albtraum, indem ich verfolgt wurde. Plötzlich wurde mir bewusst: “Ich träume!” Ich drehte mich um und wusste, ich muss keine Angst haben. Trotz dieses Wissen war es kein Klartraum, ich kann mich nur schwer an alles erinnern und Kontrolle hatte ich keine. Dennoch habe ich den Albtraum abgewandt und einen schönen Traum daraus gemacht. Was genau passiert ist, weiß ich nicht mehr genau, ich erinnere mich nur noch daran, dass es danach ein lustiger Traum war.

Ich möchte noch anmerken das ich, seit ich mich mit dem Thema Klarträumen beschäftige, kaum mehr Albträume hatte. Davor hatte ich keine regelmäßigen Albträume, dennoch nicht wenige (soweit ich mich erinnern kann) aber seit ich klar Träume habe ich fast keine Albträume mehr. Die Albträume die ich habe, sind eher spannend oder wie ein Nervenkitzel aber bei weitem nicht mehr beängstigend. Klarträume haben also meine „Albtraumrate“ drastisch gesenkt und die restlichen Albträume abgeschwächt.

Albträume können also wunderbar Auslöser für einen Klartraum sein und man kann sie aber auch komplett mit Klarträumen los werden. Hier alles zusammengefasst:

  • Kritisches Bewusstsein: Dinge im Wachleben hinterfragen, dann tut man dies auch im Traum
  • Suggestion vor dem Schlafen: Heute erkenne ich den Albtraum und habe keine Angst / werde klar
  • Albträume umschreiben: Das schlimme Ende / Teile des Albtraums umschreiben und dieses gute Ende täglich visualisieren

 

Blogbeitrag: Warum haben wir Albträume?

 

PS. Ob man Albtraum oder Alptraum schreibt, beide Schreibweisen sind zulässig.

Zeit im Klartraum und externe Reize im Trübtraum

Datum27. Nov. 2011
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Zeit im Klartraum ist schwer zu definieren. Zum einen kann der normalo Klarträumer die Zeit nicht messen, zusätzlich kann man sich auf das Zeitgefühl im Klartraum nicht 100% verlassen.

Vorab: Wir träumen am meisten in den REM-Phasen aber auch in allen anderen Schlafphasen (leichter Schlaf, Tiefschlaf) Mehr Infos zu den Schlafphasen findet ihr hier im Forum.

Eine Hürde ist der Klarträumer selbst. Nicht jeder Mensch kann Zeit gleich gut schätzen. Der eine schätzt zu viel der andere zu wenig. Dies wird zusätzlich noch durch die im Klartraum ausgeführte Aktivität selbst beeinflusst. Genau wie im Wachleben wird die Zeit bei aufregenden, spannenden Aktivitäten kürzer geschätzt als bei langweiligen Erlebnissen. Dies soll nicht heißen das ein Klartraum langweilig ist aber wenn man über Berge und Täler fliegt, wird man die Zeit sicher anders einschätzen als wenn man gemächlich durch die Traumstadt schlendert.

Eines hat ein Experiment von Dr. Stephen LaBerge im Schlaflabor jedenfalls bewiesen: Die reale Zeit und die Traumzeit stimmen überein. Luzide Träumer wurden im Schlaflabor überwacht und bekommen die Aufgabe im Klartraum zu blinzeln, dann im Sekundentakt bis 10 zu zählen und erneut zu blinzeln. Die Geschätzte Zeit und die real vergangen Zeit waren nahezu identisch.

Es ist also nicht möglich 100 Jahre real im Klartraum zu verbringen!

Jedoch gibt es ein großes, wenn nicht mittelschweres „aber“:

Auch wenn man nur 15 Minuten klar träumt, kann es einem vorkommen wie 15 Stunden. Man glaubt, es seien 15 Stunden vergangen, die 15 Minuten wurden aber nicht überschritten. Identisch sind die in Filmen eingeblendeten Texte ala: „2Jahre Später“. Der Zuschauer weiß, es sind zwei Jahre vergangen hat diese 2 Jahre aber nicht in Echtzeit erlebt. Dieses Gefühl, das Zeit vergangen ist, wird auch im Klartraum vermittelt nur intensiver.

Ein weiteres Experiment von William Dement und Edward Wolpert (University of Chicago), das sich mit Zeit beschäftigt, zeigte das externe Reize direkt in den (Trüb)Traum eingebunden werden.

Die Träumenden wurden mit leichten Wassertropfen bespritzt und nach einer vorgegebenen Zeit geweckt. Die Traumberichte ergaben, das der Reiz fast zeitgleich im Traum auftauchte, denn die geschätzte Zeit vom aufwachen, rückwärts bis zu einem Erlebnis im Traum mit Wasser, war mit der real verstrichenen Zeit identisch.

Quellen u.a.: Michael Schredl - Träume

Körper&Psyche - Den Albträumen auf der Spur VIDEO / Michael Schredl - Träume BUCH

Datum29. Jul. 2011
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Video entfernt

Ein sehr interessanter Beitrag über Albträume. Der Begriff “Klarträume” fällt zwar nicht direkt, es wird aber oft von Traumkontrolle / in Träume eingreiffen und der Regisseur der Träume sein, genannt. Das ganze betrachtet mehr die therapeutischen Aspekte.

 

Michael Schredl ist auch wieder mit von der Partie, ein sehr sympathischer Kerl. Sein Buch “Träume” lese ich gerade und ich bin sehr begeistert. Michael Schredl ist einer der renommiertesten, deutschen Klartraumforscher und das was er schreibt hat Hand und Fuß.

Ein weiteres Buch Names “Traum” befindet sich noch nicht in meiner Sammlung, ich werde es mir aber sicher zulegen. Bei dem Mann kann man einfach nichts falsch machen :)

Mehr Infos zu Klartraumbüchern und “Träume” von Michael Schredl